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Wie der eidg. Fachausweis Ausbilder*in Potenziale entfaltet

von IBAW / Steve Vouilloz, 02. Juni 2025

Steve Vouilloz

„Ich habe diese Ausbildung aus Pflicht begonnen. Heute hat sie meine Karriere verändert.“
Steve Vouilloz, Ausbilder am Flughafen Genf, erzählt, wie ihm der Fachausweis ermöglichte, eine Weiterbildung zur Künstlichen Intelligenz zu entwickeln, Selbstvertrauen zu gewinnen – und sogar auf die Bühne zu gehen. Ein inspirierender Erfahrungsbericht für alle, die noch zögern, den nächsten Schritt zu wagen.

thinkai.ch

Ausbilden bedeutet mehr als Wissen weitergeben. Es heisst, Beziehungen schaffen, Potenzial wecken – und manchmal, sich selbst neu erfinden.

Steve Vouilloz hat den eidg. Fachausweis zum Ausbilder absolviert. Seither hat er Kurse entwickelt und vermarktet – sowie neues Vertrauen in seine Kompetenzen gewonnen. Ein Gespräch mit einem leidenschaftlichen Profi.

Sie arbeiten am Flughafen Genf. Was machen Sie dort genau?

Ich bilde Sicherheitsagenten in den Bereichen Kontrollen, Durchsuchungen und Sicherheitsverfahren aus. Ausserhalb des Flughafens schule ich zudem Gefängniswärter und Polizisten. Das mache ich seit sechs Jahren in Vollzeit. Seit Kurzem biete ich aber auch freiberuflich Weiterbildungen zum Thema künstliche Intelligenz an. Dieses Projekt ist direkt während meiner Fachausbildung entstanden.

Eine Idee aus der Ausbildung ist heute also ein echtes Angebot?

Ganz genau. Während der Module 4 und 5 an der Klubschule Migros sollten wir ein vollständiges Weiterbildungskonzept entwickeln. Ich habe ein Thema gewählt, das mich begeistert: künstliche Intelligenz. Damals begann ich gerade, mit ChatGPT zu arbeiten. Ich sprach mit meinen Kolleginnen und Kollegen darüber. Sie waren neugierig, aber kannten die Tools nicht. Da hatte ich den Geistesblitz. Ich entwickelte eine Weiterbildung für Ausbilder*innen zum Einsatz von KI. Heute läuft dieses Programm gut – auch in anderen Branchen wie HR oder Marketing. Ohne den Fachausweis gäbe es das Angebot nicht.

Warum haben Sie den Fachausweis gemacht?

Um ehrlich zu sein: Anfangs war es keine freiwillige Entscheidung. Mein Arbeitgeber verlangte die Ausbildung. Ich ging mit gemischten Gefühlen hin – aber ich fand schnell Freude am Lernen. Besonders berührt hat mich der Austausch mit anderen. Wir hatten alle den gleichen Beruf, sprachen dieselbe Sprache – das war sehr bereichernd.

Welche Methoden oder Werkzeuge sind Ihnen besonders geblieben?

Ich konnte meine Praxismethoden plötzlich benennen und strukturieren. Endlich habe ich verstanden, was vor und nach einer Weiterbildung passiert: Bedarfsanalyse, Konzeption, Evaluation. Und im Rahmen meines KI-Projekts habe ich sogar gelernt, wie man ein Bildungsangebot vermarktet – als Produkt. Ohne den Fachausweis hätte ich mich das nie getraut.

Was sind für Sie die grössten Herausforderungen beim Online-Unterricht?

Die Aufmerksamkeit zu halten. Man muss Nähe schaffen, Formate variieren, viele Fragen stellen, Inhalte gut strukturieren. Online fehlt der direkte menschliche Kontakt – das ist anders als im Klassenzimmer. Dank der Ausbildung kann ich solche Herausforderungen heute besser antizipieren.

Wie haben Sie Ihre Didaktik weiterentwickelt?

Durch den Austausch mit Kolleg*innen aus ganz anderen Bereichen – dem Gesundheitswesen, der Verwaltung – habe ich erkannt: Es gibt nicht nur eine Art zu unterrichten. Ich bin aus meiner „Sicherheits-Bubble“ herausgekommen und habe Dinge ausprobiert, die ich mir früher nicht vorstellen konnte.

Haben Sie ein Beispiel?

Während der Ausbildung führte eine Teilnehmerin, die Pflegepersonal in einem Altersheim unterrichtet, einen Workshop mit einem Schauspieler durch, der eine an Demenz erkrankte Person darstellte. In Rollenspielen konnten wir enorm viel über diese Krankheit lernen. Das war sehr eindrücklich. Heute baue ich selbst Rollenspiele in meine Kurse ein – zum Beispiel simulierte Situationen rund um das Thema Sicherheit am Flughafen. Man lernt, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Hat der Fachausweis Ihre berufliche Haltung verändert?

Absolut. Ich habe gelernt, ein Bildungsangebot zu verkaufen – den Preis festlegen, Kunden akquirieren, Offerten erstellen. Zuvor hatte ich nie mit diesen Themen zu tun. Jetzt denke ich unternehmerisch.

Gab es einen Wendepunkt während der Ausbildung?

Mehrere. Einige Dozentinnen und Dozenten haben mich besonders beeindruckt. Sie begegneten uns auf Augenhöhe – als Erwachsene, nicht wie Lehrpersonen ihren Schüler*innen. Sie haben ihr Wissen nicht nur vermittelt, sondern uns in ihr Universum mitgenommen. Das hat mich inspiriert, es wie sie zu machen: Es reicht nicht, Experte zu sein – man muss sein Wissen auch verständlich weitergeben können.

Hat der Fachausweis Ihr Selbstvertrauen gestärkt?

Sehr. Ich gehe nun sogar als Stand-up-Comedian auf die Bühne! Das war schon immer ein Kindheitstraum. Früher hätte mich nie getraut – aber seit der Ausbildung habe ich den Mut dazu. Vor Menschen sprechen, neue Dinge wagen … Das hat mir Selbstbewusstsein gegeben.

Und beruflich – hat sich etwas verändert?

In meiner jetzigen Position nicht direkt – es ist ein grosses Unternehmen, da braucht es Geduld. Aber durch mein KI-Angebot öffnen sich neue Türen.

Welche Rolle spielt Weiterbildung für Sie?

Sie ist nötig, unerlässlich, obligatorisch. Heute verfügen alle über zahlreiche Kompetenzen. Die Welt verändert sich schnell – gerade mit der künstlichen Intelligenz. Wer sich nicht weiterbildet, bleibt zurück. Ob Hard oder Soft Skills – man muss sich ständig weiterentwickeln.

Was raten Sie jemandem, der mit dem Fachausweis liebäugelt, aber zögert?

Es stimmt, der Weg ist lang – aber nicht unüberwindbar. Während der Module hat man viel Zeit, an den Aufgaben zu arbeiten. Und genau bei diesen Aufgaben lernt man enorm viel – über das Ausbilden, aber auch über sich selbst. Man sollte einfach starten – mit einem weissen Blatt, das sich Schritt für Schritt füllt.

Was bedeutet der Fachausweis für Sie?

Er ist ein echtes Qualitätssiegel. Viele hören nach dem SVEB-Zertifikat auf. Schade – da fängt es doch erst an! Der Fachausweis geht viel tiefer, gibt einem einen richtigen Werkzeugkoffer mit. Wenn ich Personalverantwortlicher wäre und zwei Dossiers hätte – ich würde die Person mit dem Fachausweis nehmen.

Wenn Sie den Ausbilder von vor fünf Jahren mit dem vergleichen, den Sie heute sind: Was hat sich verändert?

Es ist wie Tag und Nacht. Früher habe ich meinen Job gemacht, aber ich verstand nicht alles. Heute bin ich mit ganzem Herzen Ausbilder. Ich bin gewachsen – beruflich und menschlich. Und ich habe in dieser Zeit sogar gelernt, Vater zu sein.

Möchten Sie zum Schluss noch jemanden erwähnen?

Ja – ich danke Sébastien Junot, einem Dozenten, der mich in den Modulen 4 und 5 sehr unterstützt hat und mit dem ich heute noch zusammenarbeite. Und natürlich allen Menschen, die ich während der Ausbildung beim IBAW und an der Klubschule Migros getroffen habe. Diese Zeit hat mich geprägt.

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